Überblick

Die Arbeitsstelle zur Edition der naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Schriften von Gottfried Wilhelm Leibniz wurde im Januar 2001 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eingerichtet. Es handelt sich um ein internationales und interdisziplinäres Vorhaben, dessen Hauptkooperationspartner die Akademie der Wissenschaften Russlands ist.

Für das Projekt haben die modernen elektronischen Medien und insbesondere das Internet einen erheblichen Stellenwert. Sämtliche zur Edition kommenden Handschriften wurden digitalisiert und können von den Editoren in Berlin, Moskau, St. Petersburg und Paris zur Bearbeitung heruntergeladen werden. Via Internet gelangen die Arbeitsergebnisse nach Berlin, wo sie gegengelesen und für den Druck aufbereitet werden. (Projektskizze)

Die Handschriften selbst sind von der Forschung bislang weitgehend unbeachtet geblieben, da eine verlässliche Textgrundlage nur für wenige Ausnahmen vorliegt. Sie betreffen praktisch alle Themen der empirischen Forschung des 17. Jahrhunderts und dokumentieren Leibniz' Ansätze zu einer eigenständigen empirischen Forschungsmethodologie sowie ergänzende Überlegungen zur Präsentation naturwissenschaftlichen Wissens. Letzteres verweist auf eine Besonderheit der in Reihe VIII der Akademie-Ausgabe zu edierenden Textzeugen. Sie enthalten eine große Anzahl von zum Teil hochkomplexen Zeichnungen, die in der Wissenschaftsgeschichte einzigartig sind. (Präsentation)
Hinsichtlich der Publikation der Texte wird eine Kombination aus Internet- und Printversion angestrebt. Dadurch werden die für die geisteswissenschaftliche Forschung fundamentalen Quelleneditionen um neue Funktionen bereichert. In der Konzeption der Reihe VIII betrifft dies unter anderem die durchgängige Vergleichbarkeit mit dem handschriftlichen Original. Das dafür entwickelte Programm Leibniz online bietet dem Nutzer zudem verschiedene Textversionen an. So kann er sich die Version letzter Hand oder eine Fassung aufrufen, die sämtliche Textauszeichnungen enthält. Die Internetedition macht es möglich, den Text allein durch Mausklick in seiner Struktur und Genese zu rekonstruieren und bietet darüber hinaus elegante Möglichkeiten, Rechnungen, Zeichnungen, Marginalien und Annotationen so anzuzeigen, dass die Lektüre des Textes optimal (nämlich je nach Bedarf synoptisch durch Öffnen und Verschieben verschiedener Fenster) unterstützt wird. Schließlich gelingt es, dem Schriftbefund entsprechend, auch Rechnungen und Zeichnungen ein Stück weit in ihrer Genese darzustellen. Mit Hilfe von Links wird darüber hinaus die Einbindung der Texte in die Debatten der Leibniz-Zeit hergestellt.

In derselben Weise kann sich der Nutzer umfassend über die gesamte Edition, deren Organisationsformen sowie Aktivitäten in ihrem Umkreis (etwa der Internationalen Leibniz-Gesellschaft) informieren.

Von besonderer Bedeutung für die Forschung ist der sogenannte Ritter-Katalog, durch dessen Einbindung als Online-Version Edition und Forschung zunehmend enger miteinander  verflochten werden.